Olga Rinke hat es in ihrem Leben nie leicht gehabt.
Geboren gegen Ende des 19.Jahrhunderts ist sie schon früh verweist, sie wächst bei ihrer ungeheuer gefühlskalten Großmutter auf, die keine Liebe, geschweige denn Zuneigung dem Kind gegenüber zeigen kann.
Gegen alle Widerstände und Rückschläge schafft sie es, sich zur Lehrerin ausbilden zu lassen.
Mit Herbert und Viktoria Schröder, bessergestellten Kindern eines pommerschen Gutshofes, verbindet sie schon zu Kinderzeiten eine Freundschaft, bei der Viktoria sie stets ihre Unterschichtenherkunft spüren lässt.
Doch mit Herbert ist die Verbindung anders.
Aus der Freundschaft erwächst eine Liebe, die sowohl die Kindheit als auch die Jugend und das Erwachsenenalter überdauert.
Doch Herbert ist nicht bereit die Ablehnung der Eltern gegenüber der Lehrerin zu überwinden.
So bleibt der Liebe der letzte große Schritt verwehrt.
Auch als Hebert den heimatlichen Gutshof verlässt um die Arktis für Deutschland zu erobern bleibt die Liebe zwar bestehen doch auch unausgefüllt.

Nach dem zweiten Weltkrieg, der Vertreibung aus der Heimat sowie der Flucht nach Westdeutschland kommt mit dem zurückhaltenden Pastoren Jungen Ferdinand eine ganz eigene Freundschaft zur inzwischen pensionierten Olga auf.



Im dritten Teil des Buches wechselt der Autor dann die Perspektive der Erzählung.
Nun bekommt er Leser in Briefen die Gefühlslage der Olga anhand von ihr geschriebener Briefe zu lesen, zu spüren.
Die Erzählung ist durchaus flüssig bereitet, doch einige Längen sind nicht zu verleugnen.
Obwohl das Buch keine dreihundertfünfzig Seiten stark ist, fehlt mitunter das gewisse Etwas um die Neugier des Lesers durchweg aufrecht halten zu können. Da wäre noch Luft nach oben gewesen.
Lediglich die Liebesbriefe, die Olga an ihren Herbert bis ins nördlichste Norwegen nachsendet, sind reine Poesie, die sich quasi von selbst lesen. Da offenbart sich ein großer Erzähler.
Ähnlich wie bei dem Werk "Der Vorleser" konfrontiert auch bei "Olga" der Autor Bernhard Schlink mit der Geschichte der Deutschen.
Es fehlt bei "Olga" zwar die erotische Komponente des großen Vorgängers, doch auch in diesem Buch muss man sich erneut mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzen.
Dieses Mal allerdings geht es noch viel weiter zurück.
Der Herero Aufstand wird mit eingebaut, der erste und zweite Weltkrieg,lang und breit natürlich die Nazis, die Teilung Deutschlands - all die dunkleren Seiten der Deutschen Geschichte werden mit eingefügt.
Und dabei kommt leider der moralisierende Zeigefinger hoch.
Die Geschichte mit einzubauen finde ich in Ordnung, weshalb auch nicht?
Aber die plumpen Botschaften die via den Wertungen der Hauptfigur eingewoben wird sind schlicht überflüssig.
So etwas bekommt man ja leider andauernd serviert.
Mit dem völlig unglaubwürdigen Finale wird es dann einfach absurd.

Meiner Meinung nach ein in sich schwaches Gesamtbuch, allerdings mit wunderschönen Momenten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.