Sein Name war Otter von Justin Scott

 

Es beginnt auf dem Atlantik zu im Spätsommer 1939 auf dem französischen Luxusschiff "Normandie".

Stephen Gates, Schiffskonstrukteur aus des Vereinigten Staaten, lernt die wunderschöne  Engländerin Gordi ebenso kennen wie den charmanten, etwas undurchsichtigen angeblichen Holländer Rick van Slough kennen.

Gates und Gordi kommen sich näher, doch bevor etwas "ernsthaftes" geschehen kann, beginnt der Luxusliner Zickzack Kurs aufzunehmen, der zweite Weltkrieg hat begonnen.

Ein paar Jahre später in New York; die USA sind gerade in den Krieg eingetreten, die Schmach von Pearl Harbour sitzt tief.

Großbritannien benötigt dringend Menschen- und Kriegsmaterial von den Alliierten um den Nazis überhaupt etwas entgegensetzen zu können.

Quasi alles was schwimmt und hochseetauglich ist wird requiriert, umgebaut zum Truppentransporter oder Frachtschiff.

Ebenso die "Normandie", der ehemalige Stolz der französischen Passagierflotte.

Doch da schlägt der Otter das erste Mal zu, durch geschickte Manöver legt er mit Gehilfen ein Feuer, welches das schöne Schiff schwer beschädigt, die Löschversuche der New Yorker Hafenbehörden geben dem Luxusschiff den Rest, es versinkt im Hafenbecken, ein riesiger stählerner Koloss, der auch noch den wichtigsten Pier in New York für viele Monate blockieren wird.

Stephen Gates, der zufällig am Brandtag dem Hafen einen Besuch abstattet, entdeckt als einziger aufgrund seiner persönlichen Recherche die Hinweise auf Sabotage.

Die Vertreter der Navy wollen davon nichts wissen um die Zivilbevölkerung nicht damit konfrontieren zu müssen, dass Nazi Agenten im wichtigsten Hafen des Krieges auf amerikanischem Boden erfolgreich aktiv sind.

Also muss Gates auf eigene Faust ermitteln, Unterstützung kann er von niemandem erwarten.

Des weiteren ermittelt die zauberhafte Gordi, die für den britischen Geheimdienst arbeitet, mit ihrem vierköpfigen Team gegen Gates und Rick van Slough, die Otter.

Denn die Otter verfolgt einen viel größeren Plan, vom Heck der versunkenen "Normandie" aus möchte er nicht viel weniger als die Queen Elisabeth, den Stolz der britischen Flotte mitten im New Yorker Hafen versenken, damit er durch die schiere Größe einfach blockiert ist.

Nichts kann ihn scheinbar aufhalten, keine britischen Geheimagenten, keine verräterischen Informanten, kein Stephen Gates, oder doch?



Willkommen in einem - im positiven Sinne - altmodischen Agenten-Sabotage-Thriller!

Autor Justin Scott arbeitet sich aus drei Sichtweisen an diesem vierhundert Seiten Schmöker ab.

Stephen Gates, dessen beinah pathologische Besessenheit zu Schiffen das Komplott nach und nach aufdeckt.

Die wunderschöne, schlagkräftige Gordi, die mit ihrem dreiköpfigen Team mit ihren Verdächtigungen mal Stephen Gates mal Rick van Slough verdächtigt, dabei aber Stück für Stück das Informantennetz der "Natter" aufdeckt.

Zuletzt der eiskalte Saboteur Rick van Slough...die Otter...der vor Mord, Totschlag oder Verrat nicht zurückschreckt.

Angefangen beim letzteren bleibt zu bemerken, dass es dem Autoren gelingt  den Leser so zu fesseln, dass man auch mit dem Attentäter zwischendurch mitfiebert.

Während sich das Seil um seinen Hals immer fester zuzieht, in erster Linie dank Gordi und ihrem Team, holt Justin Scott immer noch einen Trumpf aus dem Ärmel um van Slough entkommen zu lassen.

Die schöne Gordi, die einige persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten hat tut als schlagfertige Agentin alles um ihrem Lande zu helfen, ist sich aber über weite Teile des Romans - sehr glaubwürdig geschildert - nicht sicher ob Gates zu trauen ist oder nicht.

Gates, der ursprünglich aus sehr gutem Hause kommt, sich für seine Nachforschungen bei den Malochern am Hafen einstellen lässt und auch zünftigen Schlägereien nicht abgeneigt ist läuft „Otter“ über weite Teile des Buches atemlos hinterher.

Das ist gut beschrieben, nachvollziehbar.

Zwischendurch verheddert Collins sich – meiner Meinung nach – mit einer großen Anzahl Personen, die kurz angerissen werden ohne dass sie wieder auftauchen oder für die spätere Handlung relevant sind.

Wobei die Beweggründe der deutschfreundlichen Helfershelfer (Gier, Fanatismus, Vaterlandsliebe) überzeugend dargestellt werden, zusammen mit den vielen anderen Personen wird es allerdings gern unübersichtlich.

Das schmälert den Lesespaß schon.

Zusätzlich verliert er sich in ausführlichsten Beschreibungen von Schiffen aller Art inklusive der Arbeitsmaterialien. Das mag für Dockarbeiter oder Schiffbauern ein Hochgenuss sein, nach der x-ten Beschreibung von Werften oder Unterwasserwerkzeugen langt es denn auch.

Man merkt, dass der Autor sich mit der Materie beschäftigt hat.

Generell bin ich dem Buch gegenüber schon aufgrund des Titels skeptisch gewesen, verband ich „Otter“ doch mit einem Fischotter...konnte mir das nicht spannend vorstellen...

Das es auch die Schlangen gibt wurde mir erst später bewusst.

Wie auch immer, bei dem Buch „Sein Name war Otter“ handelt es sich um einen zackigen Thriller, wobei ich mich aufgrund der Konstellation und der durchaus neutral-positiven Darstellung des Bösewichtes über lange Strecken an Bücher von Ken Follett erinnert.

Der größte Unterschied zu dessen Büchern besteht darin, dass Follett Sexszenen explizit beschreibt während Collins puritanisch abblendet.

„Sein Name war Otter“ ist als spannender Lesestoff für kalte Herbstabende sehr zu empfehlen.

Daher Augen auf beim Antiquariat Ihres Vertrauens.

 

 

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