Buch zur Kritik: Margos Töchter: Roman

Cora Stephan: Margos Töchter

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Gleich vier weibliche Hauptfiguren werden in diesem neuesten Roman von Cora Stephan aufgeboten.

1949 erblickt Leonore Seliger das Licht der Welt.

Ein zertrümmertes Bein, Resultat von anderen Kindern, die zur selben Zeit von der Wippe vor dem Haus runterspringen, während Leonore noch obendrauf sitzt, sorgen bei ihr für ein Trauma, welches sie das ganze restliche Leben beeinträchtigen soll.

Ihr Schwur nie wieder nicht rechtzeitig abgesprungen zu sein, ist nicht ohne weiteres einzuhalten.

Zunächst wächst sie in der DDR heran.

Doch nach der geglückten Flucht lassen sich ihre Eltern in Osnabrück nieder und kommen zu einigem Wohlstand.

Gutbürgerlich treffen die Beschreibung der Verhältnisse wohl am ehesten.

Zweite Hauptfigur dieses 400 Seiten Romans ist natürlich die titelgebende Margo.

Margo gibt zu Hause den Ton an, ohne dass jemand auf die Idee kommen würde, daran zu zweifeln.

Die alles dominierende Mutter nimmt ihrer Tochter einiges an Selbstbewusstsein und die heranreifende Leonore freundet sich mit einem anderen Mädchen an, dass auch nicht dazugehört.

Dafür zeigt sie Leonore was sich im alternativen Lager so abspielt.

Es wird getrunken, natürlich auch geraucht. Dazu gibt es die neuesten Platten.

Ohne sich rechtzeitig davon loszusagen, geraten die Mädchen in eine Razzia der englischen Streitkräfte, die eigentlich nach Deserteuren fahndet.

Es folgt eine Beschreibung der Studienzeit, Leonore verliebt sich in einen Typen, der eine Granate im Bett ist - jedoch auch mit der Roten Armee Fraktion paktiert.

Und wer in das Fahndungsmuster gerät - dem wird das begehrte Jahr in den USA verwehrt.

Wieder ist sie nicht rechtzeitig abgesprungen.

Also gibt sie sich Bettgeschichten hin, wechselnde Geschlechtspartner, es kommt wie es kommen muss.

Doch wer ist nun der Vater?

Da sich niemand findet, wird abgetrieben.

Doch leider geht der Eingriff schief, Leonore wird nie wieder Kinder bekommen können.

Immerhin findet Leonore einen Politikprofessor in Frankfurt zum Mann, mit Jana, die Jahrgang 77 ist, als eigenes Kind an.

Doch Jana ist nicht unbelastet, wie sollte es anders sein?

Ihre leibliche Mutter hat sich in der DDR falsch politisch aktiviert, saß deshalb lange Jahre im Zuchthaus.

Nachdem die Bundesrepublik sie freigekauft hat, taucht sie bei Leonores Mutter Margo auf.

Was verbindet die beiden?

 

Am anderen Tag ist sie verschwunden, ohne Jana mitzunehmen.

Nach der Wende, im Jahre 1991 stirbt Leonore durch einen Autounfall, den sie absichtlich vollzog.

Oder vielleicht doch nicht?

Nun liegt es an der jungen Jana daran, die losen Enden der Geschichte von Leonore und Margo zu verknüpfen.

Ein erster Schritt dahin sind die Nachforschungen im Stasi Archiv.

Zwei Mütter hat Jana - doch mit Margo nur eine Großmutter.

Nicht weniger als sieben Jahrzehnte deutscher Geschichte werden in diesem 400 Seiten Werk durchgeritten.

Der Zusammenbruch nach dem Krieg, die Teilung Deutschlands, die Krakenarme der Staatssicherheit und auch die Begeisterung für die DDR im linken Milieu Westdeutschlands sind die großen Themen dieses Buches.

Der Grundtenor lautet bei all den Wirrungen und Irrungen dieses Buches: Nie wieder Diktaturen!

Dabei schafft die Autorin es überzeugend sowohl die Schrecken der Nazis als auch die des sozialistischen Deutschen Arbeiter- und Bauernstaates zu schildern.

Die Figuren sind gut gezeichnet, einige allzu grobe Zufälligkeiten verzeiht man gern.

Immerhin schafft es Autorin Cora Stephan, dass Teile des Plots zwar nicht wahrscheinlich - allerdings auch nicht unmöglich erscheinen.

Es handelt sich bei diesem Buch übrigens um eine Fortsetzung. Der erste "Band" "Ab heute heiße ich Margo" wurde im Jahre 2017 veröffentlicht.

Ich kenne diesen ersten Band nicht, doch man benötigt ihn auch nicht unbedingt.

Den hier beschriebenen Titel versteht auch, wer das erste Buch nicht gelesen hat.

Mein Fazit
“Margos Töchter” ist ein spannender, gut geschriebener Roman mit Leseempfehlung!

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