Buchcover zur Rezension von Uhrwerk Orange (Clockwork Orange)
Ein Horrortrip von Buch.
Ultrabrutal ziehen die Clique um Alex an einem Abend folgende Verbrechen ab:
- ein alter Mann wird geschlagen und gedemütigt
ER IST ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT.
- Überfall auf einen Zigaretten- und Alkoholgeschäft - das Betreiberehepaar wird schwer gefoltert
SIE BRAUCHEN GELD
- Schlägerei & Messerstecherei mit einer verfeindeten Gang
SIE BEKOMMEN SO IHREN KICK
- Diebstahl eines Autos vor einem Kino
SIE BRAUCHEN BEWEGLICHKEIT
- Einbruch, Körperverletzung, Vergewaltigung der Hausfrau
SIE WOLLEN SPASS
ABER DER STAAT SCHÜTZT SEINE BÜRGER - UND ALEX WIRD AM EIGENEN LEIBE ZU SPÜREN BEKOMMEN, WAS ES HEIßT EIN OPFER ZU SEIN!

Uhrwerk Orange - was für ein Buch


Ein Horrortrip, allein schon wegen seiner textlichen Monstrosität.
Der Autor entwickelt einen zwar fesselnden aber auch ungemein anstrengenden Sprachstil, um damit Gewaltorgien der Gang zu brechen und weniger brutal wirken zu lassen. Das ist allerdings auch dringend nötig, sind doch die oben aufgeführten Verbrechen das Ergebnis einer einzigen Nacht bzw. der ersten dreißig Seiten dieses Buches. Denn so wie Alex sich zunächst großartig, ja quasi unbesiegbar fühlt, so tief fällt er nach dem Verrat seiner Gruppe unbarmherzig tiefer und tiefer.
Etwas über zweihundert Seiten hat der Autor Burgess seinerzeit zustande gebracht, in denen von Prügeleien über Vergewaltigung und Mord die Spirale der Gewalt mehr und mehr gesteigert wird.
Als der Staat schließlich mit einer ganz neuen Methode der Gewaltprävention zurückschlägt und den (Anti)Helden wehrlos in die Freiheit entlässt, dieser auch noch auf seine ehemaligen Opfer sowie seine damaligen Kumpane trifft, die zwischenzeitlich als Hilfspolizisten angeheuert haben, scheint die endgültige Katastrophe unausweichlich.
Doch Burgess bekommt so gerade noch einmal die Kurve hin, zum Ende gibt es die ersten und quasi einzigen Zeilen, die Raum für ein wenig Hoffnung geben.
Vielleicht.
Der merkwürdige Titel lässt einiges an Vermutungen zu:
es könnte auf das malaiische Hinweisen: "Orang Utan" hinweisen - das heißt einfach Mensch (Orang)
vielleicht auch auf eine Redewendung aus dem Cockneyschen "as queer as an clockwork orange" - das steht für etwas seltsames...
Wie auch immer, denkbar wäre beides.
Der Romanautor ist nicht mehr dazu zu befragen, starb er doch bereits 1993.
Der Roman, der von vielen Kritiken als einer der besten des vergangenen Jahrhunderts angesehen wird, wurde vom großartigen Stanley Kubrik 1971 kongenial, weitgehend werkgetreu mit Malcolm McDowell in der Hauptrolle verfilmt.
Lediglich der Gefängnisaufenthalt weicht deutlich von der Buchvorlage ab, begeht Alex doch selbst dort weitere Verbrechen! Dies findet in der Verfilmung überhaupt keine Erwähnung.

Aber es bleibt festzustellen, dass sowohl Buch als auch Film nicht einfach aber einfach hervorragend sind!
Und obwohl es bereits 1962 geschrieben wurde, ist es zeitlos!


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