Buchcover zu Alles ist besser als noch ein Tag mit dir von Jan Fleischhauer
Ja, auch Bestseller Autoren beziehungsweise große Tiere beim renommierten Spiegel sind vor privaten Schicksalsschlägen alles andere als gefeit.
Jan Fleischhauer ist seit mehr als zwanzig Jahren bei der Hamburger Wochenzeitschrift, dem ehemaligen "Sturmgeschütz der Demokratie", welches seit vielen Jahren an Munitions- beziehungsweise Lesermangel leidet.

Alles worauf man sein Leben aufgebaut hat, alles worauf man sich viele Jahre lang verlassen hat, so viele Gewissheiten, die selbstverständlich scheinen, sind plötzlich obsolet.
Eine Trennung ist eine ganz persönliche Katastrophe, von Krankheit oder Unfall einmal abgesehen...nichts scheint mehr zu stimmen, sogar der Freundeskreis entzweit sich, geht eventuell sogar ganz verloren.
Den/die Verlassene trifft es dabei naturgemäß schlimmer als den "Verräter".
Die Ehe des Autoren hat immerhin fünfzehn Jahre gehalten, bis die Gattin den Stecker zog.
Durchaus selbstkritisch beschreibt Fleischhauer den schleichenden Niedergang seiner Ehe, die allmähliche Entfremdung, die getrennten Schlafzimmer (zuerst aufgrund des angeblichen Schnarchens) dann aus Gewohnheit.

Die sich daraus ergebende Verarbeitung bietet der Autor mit reichlich tiefschwarzem Humor da...



Aber ist dies so auch korrekt?
Oder bietet sie in erster Linie ein Ventil?
Immerhin zweihundert Seiten unter anderem des Scheiterns, des Versagens, der Angst durch den Verlust bieten sich dem Leser.
Der Humor ist allgegenwärtig aber einfach meistens ein Stück zu viel, zu weit, zu sehr gewollt. Das passt einfach nicht alles zusammen. Dabei macht der Autor schon einen ehrlichen Eindruck, beschreibt schonungslos auch das eigene Versagen analysiert die Fehler die sich scheinbar unaufhaltsam in viele, viele langjährige Beziehungen einfressen.
In der Retrospektive gibt er sich also durchaus eine ordentliche Portion Mitschuld am Scheitern.
Doch zum Scheitern gehören schließlich immer auch zwei.
Seine Exfrau wird stets mit Respekt beschrieben.
Natürlich muss sie für einige Witze und flapsige Beschreibungen herhalten aber dies geschieht nie wirklich böswillig.
Doch abgesehen von diesem relativ kleinen privaten Bereich präsentiert Fleischhauer noch jede Menge Statistiken, Ratschläge und Hilfen bei Depressionen.
Das ist mit Sicherheit jede Menge Fleißarbeit gewesen, hat mit einer wirklichen Handlung und so etwas wie einem Roman gar nichts zu tun. Es bleibt oberflächlich.

So ergibt sich aus "Alles ist besser als noch ein Tag mit dir" sicherlich eine gute Hilfe für Menschen mit ähnlichen Problemen aber jeder, der eine gute Geschichte mit Figurenzeichnung oder ähnlichem erwartet, wird enttäuscht sein. Das ist zumindest meine Meinung!

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