Innenansicht eines Busses
Diese Version der Norm gilt dann auch in Zukunft für Busse, Motorräder und Trucks

In der heute immer komplexer werdenden Welt nimmt der Komplexitätsgrad der Kraftfahrzeugelektronik zu. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die prozentuale Anzahl an Fehlfunktionen zunimmt. Um dieses Risiko zu senken, wurde 2011 die ISO 26262 als Sicherheitsstandard für die Entwicklung elektronischer Systeme in Fahrzeugen eingeführt.

Die zweite Edition der ISO Norm wird voraussichtlich ab März 2018 in Kraft treten. Die ersten Version der ISO Norm betraf nur Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen. Alle anderen Kraftfahrzeuge benötigten dadurch zusätzlich die internationale Norm ICE 61508, welche Standards zur Entwicklung von elektronischen, elektrischen und programmierbaren elektronischen Sicherheits-Systemen enthielt. Folglich wurde spezielle für die Anforderungen der Automobilbranche die ISO 26262 von ICE 61508 abgeleitet. Die ab März geltende ISO Norm gilt nun für Busse, Motorräder und Trucks.

Was beinhaltet die ISO 26262?

Inhaltlich zeigt die ISO Norm 26262 Standards rund um die Sicherheit von elektrischen und elektronischen Bestandteilen auf. Dabei bewertet die Norm, welche Fehlfunktionen in Erscheinung treten können und mit welchen Risiken diese verbunden sind. Die Risiken werden dabei nach drei Kriterien bewertet:
  • Eintrittswahrscheinlichkeit: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Fehlfunktion eintritt?
  • Gefährdungssituation: Bei Eintritt der Fehlfunktion, wie hoch ist dabei die Gefahr?
  • Kontrollierbarkeit: Wie kann die Situation mit welchen Maßnahmen unter Kontrolle gebracht werden?
Diese Bewertungskriterien galten bisher nur auf Serienfahrzeuge mit maximal 8 bis 9 Insassen bis 3,5 Tonnen. Infolgedessen konnte das Schadens-Risiko-Feld begrenzt werden.

Zweite Version der ISO 26262: Trucks und Busse tragen höheres Risiko

Nun gilt die neue Edition der ISO Norm allgemein auch für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen und stellt die gleichen Anforderungen an alle Fahrzeugen - unabhängig von Größe oder Gewicht. Jedoch gibt ein Bereich innerhalb der Norm spezielle Standards für die Besonderheiten der Busse und Trucks vor. Band 8 von ISO 26262 beschreibt die Besonderheiten die Kraftfahrzeuge aufweisen, wo ein nach ISO26262 hergestelltes System mit einem System aus einem anderen Bereich kombiniert wird. Die Erweiterung der Norm hat somit starke Auswirkung in den Bereichen Trucks und Busse: Gefährdungssituationen und Kontrollierbarkeit erfordern eine vollständig neue Bewertung. Die neue ISO Norm beschäftigt sich insbesondere bei Busse und Trucks mit dem deutlich höheren Schadensrisiko, welches sich aufgrund des höheren Gewichtes und der höheren Transport-Kapazität ergibt. Dementsprechend entstehen höhere funktionale Sicherheitsanforderungen für die Produktion von elektronischen Teilen.

Das Produkthaftungsgesetzt als Grundlage der ISO Norm

Diese Anforderungen müssen, ab in Krafttreten der Norm, alle Hersteller von Bussen und Trucks wie auch deren Zulieferer beachten. Jeder Produzent von Fahrzeugen ist gesetzliche verpflichtet, die Sicherheitserwartungen, die ein Verbraucher aufgrund des Stands von Wissenschaft und Technik zum Zeitpunkt des In-Verkehr-Bringens erwartet, zu erfüllen. Somit trägt der Hersteller die Beweislast. Dies schützt den Produzenten jedoch nicht vor Ansprüchen im Schadensfall, da sich die Wissenschaft und die Technik stetig verändern. Tritt der Fall ein, dass der Hersteller seine Pflicht nicht erfüllt hat, hat er keine Anspruchsgrundlage. Bereits mit Veröffentlichung der Norm müssen alle Kraftfahrzeug-Teile basierend auf den in der ISO Norm definierten Entwicklungsprozessen produziert worden sein und zudem die festgelegten Produkteigenschaften vorweisen.

Kleine Änderungen im Bereich Motorräder

Die seit 2015 vorhandene ISO/PAS 19695 Norm für Motorräder wird nun in der ISO 26262 aufgenommen. Sie erscheint als neuer 12. Band innerhalb der ISO Norm und wird nicht mehr als eigenständige Norm existieren. Obwohl die ISO/PAS 19695 übernommen wurden, ergeben sich einige Änderungen für die Hersteller. Band 12 enthält motorradspezifische Anforderungen, welche die Regelungen der restlichen Bände substituiert.

Status Quo

Letztes Jahr erschien mit „Draft international Standard“ eine Pre-Version der ISO Norm. Aktuell wird die ISO 26262 nachgeprüft und kommentiert, bis März 2018 die endgültige Version erscheinen soll. Entwicklungs-Organisationen von elektronischen Teilen lassen seit geraumer Zeit verlauten, dass sich seit 2011 der Arbeitsaufwand aufgrund der ISO26262 extrem gesteigert hat. Dem ist zu entgegnen, dass die Norm den heutigen Status der modernen Technik wiederspiegelt und im Bereich funktionale Sicherheit als Instrument des Produkthaftungsgesetzes dient. Folglich heißt das, dass Hersteller eigentlich keinen Arbeitsaufwand-Anstieg verzeichnen können solange sie alle Kraftfahrzeug-Teile auf dem heutigen Stand der Technik entwickeln.

Somit sei als Rat mitzugeben, dass sich im Bereich Motorrad, Busse oder Trucks jeder Produzent sowie dessen Zulieferern so schnell wie möglich mit den neuen Standards der ISO Norm vertraut machen sollte.

Zusätzliche Informationen zu diesem Thema finden sie hier unter: www.kuglermaag.de

Image: pixabay.com / marsjo



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