• Buchtitel: Altes Land
  • Autorin: Dörte Hansen
  • erschienen:Februar 2015
  • Verlag und Genre: Albert Knaus Verlag//Roman

Vera Eckhoff musste fliehen, damals fünfundvierzig aus Ostpreußen. Gegen Hunger, Kälte und die heranbrandenden Russenverbände.
Nur mit ihrer Mutter strandete sie damals hier vor den Toren der schwer gezeichneten Freien und Hansestadt Hamburg. Warm wird sie nie mit dem kalten Bauernhaus, mit den Nachbarn oder der irgendwann nicht mehr neuen Umgebung. Sie ist immer das "Polackenkind" gewesen.
Nach einiger Zeit, Veras Mutter heiratete inzwischen den gebrochenen Kriegsheimkehrer Karl, deren Mutter ist die Hofbesitzerin Ida, verläßt Veras Mutter ihre Tochter um zu einem anderen Mann zu ziehen.
Immer in den Ferien muss die verlassene Tochter nun zu ihrer Mutter und deren neuen Familie.
Irgendwann besucht die neue Halbschwester Vera auf dem fremdgebliebenen Hof.
Beide Mädchen buhlen im Prinzip nur um die Aufmerksamkeit der gemeinsamen Mutter, sind auf ihre Art immer noch Flüchtlinge...


Doch bleibt die Flüchtlingsproblematik ein roter Faden der Familie Eckhof, auch in den folgenden Generationen.





Denn der Hauptkonflikt zwischen Tante Vera sowie der Nichte Anna, die mit ihrem Sohn Leon aus Ottensen flüchten muss, da der untreue Gatte sie aus der gemeinsamen Wohnung wirft kommt noch als tragischer Moment dazu.
Flucht, Vertreibung aber auch Familienzusammengehörigkeit sind die Hauptanliegen der Autorin Dörte Hansen.
Wie das Leben so spielt schreibt sie die Erlebnisse der verschiedenen Familienangehörigen auf.
Mal bitter, mal lustig oder traurig.
Leise, beinahe zaghafte Töne bzw. Zeilen sind eher ihr Stilmittel als Brecheisen oder Vorschlaghammer.
Dafür sind viele Pointen sehr exakt definiert, treffen ohne weiteres mitten ins Schwarze.
Sechzig Jahre, zwei Generationen, beschreibt sie auf diese angenehme Weise.
Bemerkenswert ist einmal die beschriebene Sichtweise der deutschen Leidtragenden, die aus den Ostgebieten unter schrecklichsten Bedingungen alles was ihnen lieb und teuer gewesen ist zurück lassen musste.
Das Millionen Deutsche auch Opfer des mörderischen zweiten Weltkrieges geworden sind, ist ja eine Ansicht, die heutzutage nicht gern vernommen wird.
Gutmenschentum und/oder willfährige Presse postuliert viel zu gern die These, dass die Ostpreußen oder Schlesier etc. nur die logischen Konsequenzen des Krieges zu tragen gehabt hätten.
Daran hält Dörte Hansen sich nicht, legt vielmehr recht offen einen Finger in die Wunde.
Dabei schafft sie es allerdings, die Politik als solche herauszuhalten. Die Leiden der Zivilbevölkerung werden beschrieben, jeder halbwegs gebildete Leser weiß worum es geht.
Aber Schuldzuweisungen oder politische Erklärungen jeglicher Couleur gibt es keine zu lesen.
So hält man hier ein wunderbares Buch über Heimat, Flucht und Vertreibung aber auch Einsamkeit sowie nicht erarbeitete Kind-Eltern Beziehungen in Händen.





Schöne Geschichte, gut bearbeitet!



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