Studenten beim LernenEntgegen der Annahme, es gäbe eine Begabung für das Sprachenlernen, hat sich gezeigt, dass die Motivation das A und O beim Erwerb einer Fremdsprache ist.
Das zumindest behauptet Prof. Dr. Britta Hufeisen, Leiterin des Sprachenzentrums und der Abteilung Sprachwissenschaft und Mehrsprachigkeit an der Technischen Universität Darmstadt. Aber auch die Ausdauer spielt für das Erlernen einer Fremdsprache eine große Rolle.
Diese fünf Tipps helfen Ihnen, die Motivation und Ausdauer zu bewahren.


  • 1. An den Alltag anknüpfen
  • Ob Vokabeln und Grammatikregeln vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übergehen, hängt von mehreren Faktoren ab und ist individuell bedingt. Grundsätzlich nimmt das Gehirn Informationen nur dann ins Langzeitgedächtnis auf, wenn es sie als wichtig erachtet.
    Daher eignet sich stumpfes Auswendiglernen von Vokabeln grundsätzlich nicht so gut fürs langfristige Erlernen. Stellen Sie aber eine Verknüpfung zwischen den Lerninhalten und Ihrer persönlichen Lebenswelt her, wird die Theorie auch Anwendung in Ihrem Alltag finden – und in Ihrem Langzeitgedächtnis gespeichert.

  • 2. Vorhandenes Wissen nutzen
  • Wenn Sie neue Erkenntnisse in bereits vorhandenes Wissen einbringen, finden ebenfalls Verknüpfungen statt, die resistent gegen das schnelle Vergessen sind. Eine weitere Möglichkeit, vorhandenes Wissen zu nutzen und im Alltag anzuwenden, besteht im prozeduralen Wissen; dieses beschreibt Handlungsabläufe, die als Einheit wahrgenommen werden. Damit sind Abläufe gemeint, die zeigen, wie man sich in bestimmten Situationen (beispielsweise einem Restaurant-Besuch) zu verhalten hat. Solche Handlungsabläufe kann das Gehirn besonders langlebig abspeichern, da hier das aktive Erleben des Erlernten im Vordergrund steht.

  • 3. So viel reden, wie möglich
  • Reden Sie in der Fremdsprache – so viel wie möglich! Ein Auslandsaufenthalt eignet sich am besten für die Anwendung der theoretischen Kenntnisse. Ansonsten können Sie zu Hause auch mit einem Tandem-Partner üben oder Selbstgespräche führen – das senkt die Hemmschwelle, in der Fremdsprache zu sprechen. Im Gegensatz zu Kindern, die eine Sprache intuitiv lernen, brauchen Jugendliche und Erwachsene zum Sprachenlernen allerdings auch gewisse grammatische Grundlagen und Regeln. Die sogenannte Immersion – also das Eintauchen in eine neue Sprache ohne jeglichen Unterricht – funktioniert bei Erwachsenen nämlich nicht so gut wie bei Kindern.

  • 4. Seinen Lerntyp kennen
  • Finden Sie heraus, welcher Lerntyp Sie sind! Die meisten Menschen sind eine Mischung aus dem auditiven, visuellen, motorischen und kognitiven Lerntyp. Dialoge auswendig zu lernen hilft beispielsweise dem auditiven Lerntyp, während das Aufschreiben von Vokabeln eher für den visuellen Lerntyp geeignet ist. Filme und Videos, wie sie zum Beispiel bei www.papagei.com/de angeboten werden, sprechen hingegen beide Typen an.

  • 5. Alle Sinne nutzen
  • Für die Erinnerung ist es außerdem wichtig, dass Inhalte an möglichst vielen unterschiedlichen Orten im Gehirn verankert werden. Die Nutzung der verschiedenen Sinne ermöglicht es, Wissen an verschiedenen Orten des Gehirns wiederzufinden. Versuchen Sie beispielsweise einmal, die Vokabel mit einer kleinen Geste zu untermalen. Jedes Mal, wenn Sie das Wort sprechen, machen Sie die entsprechende Geste. Sie werden sehen, dass sich die Vokabel schneller einprägen wird als so manch andere.

Lernen – ein individueller Prozess

Zuletzt sei darauf hingewiesen, dass das Lernen einer Fremdsprache im Erwachsenenalter ein individueller Prozess ist, für den jeder Mensch unterschiedlich lange braucht. Das liegt vor allem daran, dass sich der Spracherwerb im Erwachsenenalter anders gestaltet als im Kindesalter, wenn der Spracherwerb größtenteils intuitiv vonstatten geht. Je nach Sprachniveau, Ausdauer und Motivation kann es zwischen sechs Monaten und zehn Jahren dauern, eine Sprache zu lernen.

Robert Kneschke/fotolia - Bildrechte

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