• Der Schieber
  • Cay Rademacher
  • Auflage 2 von 2012
  • Thriller erschienen im DuMont Verlag

Der zweite Fall von Oberinspektor Frank Stave.

Der mörderische Hungerwinter 47 ist vorbei. Nach dem einen Wetterextrem geht es nahtlos ins nächste, bricht doch ein ungewöhnlich heißer Frühling/Frühsommer über die gebeutelte Hansestadt herein.
Staves neues Opfer ist ein Jugendlicher, der erstochen auf einem Blindgänger in einer alten Werkhalle der Blohm & Voss Werft drapiert wurde.
Zunächst laufen die Ermittlungen ins Leere, bis sich eine Spur ergibt, die zu den Waisenkindern führt, die ohne Aufsicht in den zerbombten Gebäuden der Stadt hausen, die alles tun um sich irgendwie durchschlagen zu können. Es sind die sogenannten Wolfskinder.
Doch bis Stave den Fall auflösen kann, muss er sich noch seine Beziehung zu Anna ordnen, da endlich auch sein Sohn Karl aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist...

Und auch diesesmal ist dem Autoren ein sehr schöner Krimi mit einer Menge Lokalkolorit gelungen.
Sehr schön sind seine Beschreibungen der damaligen Verhältnisse, die teils runtergebombten Straßenzüge im Gegenzug dazuvdie beinah unversehrten Gebiete rund um den Stadtteil Harvestehude, die von den Engländern requiriert wurden. Das macht wirklich Spaß zu lesen.
Neben dem Helden sind auch wieder die etablierten Figuren des ersten Teils vorhanden und weiterentwickelt worden. Die Sekräterin Berg mit ihrem neuen Lebensgefährtem, dem Briten MacDonald streitet mit ihrem Mann ums Sorgerecht ihres Erstgeborenen.
Die geflüchtete Ostpreußin Anna ist mittlerweile in einer Beziehung mit Stave. Doch beide tragen ihre Geheimnisse mit sich herum, was für zusätzliche Probleme sorgt.
Wobei genau hier auch einige Unzulänglichkeiten zu bemängeln sind.
Der Held Stave scheint ein furchtbar unsicherer Polizist zu sein, liest man doch stets und ständig über seine Ängste, die er nicht zu kommunizieren versteht.
Gefühlt auf jeder Seite liest man darüber, dass er sich Gedanken macht, was die Nachbarn denken, was aus seinem Sohn werden soll usw usf.
Die Moralvorstellungen bezüglich der Affaire mit Anna sind damals mit Sicherheit andere gewesen, doch die übermäßige Betonung in diesem Buch erscheint mir doch etwas zu viel des Guten.
Die Neueinführung des Sohnes, der als wortkarger Kriegsheimkehrer einen zunächst sehr mürrischen Einstand bekommt, ist allerdings eine spannende Episode.
Das Vater-Sohn-Drama einer sehr verlorenen Generation trägt das Buch als Thema schon beinah allein.
Neben den ganzen zwischenmenschlichen Dramen spielt der Mordfall natürlich die Hauptrolle, dessen Lösung einmal mehr verblüfft.
Dabei wurde der Hintergrund anscheinend gut recherchiert, die Umstände der Aufklärung mit - kriegsbedingt - weniger als dürftigen Mitteln sind für Krimifans pures Zucker!
Allein die Vorstellung, dass es nur einen einzigen Spurensicherer für ganz Hamburg gab, läßt dem Leser die Haare zu Berge stehen!
Doch Stave wird den Fall trotzdem lösen.

Meiner Meinung nach hat der Autor auch bei "Der Schieber" wieder ganze Arbeit geleistet!!!



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