• Der Trümmermörder
  • von Cay Rademacher
  • Oktober 2011 Auflage:7
  • Thriller erschienen im Verlag DuMont

Januar 1947 ist einer der kältesten Winter in der Geschichte der Hansestadt Hamburg.
Der Krieg ist noch keine zwei Jahre vorbei, der Wiederaufbau steckt noch in den Kinderschuhen, Strom ist rationiert, Hunger überall und zu allem Überfluß branden noch immer Flüchtlinge aus allen Himmelsrichtungen in die gepeinigte ehemalige Elbmetropole.
Da wird eine strangulierte Frauenleiche, fast gänzlich entkleidet in den Trümmern entdeckt.
Oberinspektor Stave - von den Nazis als "Sozialdemokrat" abserviert, nun wieder eingesetzt von den Briten bei der Mordkommission - beginnt bei Minus zwanzig Grad Celsius, mit nur fünf Polizeiwagen, ohne Telefon die schwierigen Ermittlungen, unterstützt wird er von dem brtischen Verbindungsoffizier MacDonald und Kommissar Maschke vom Sittendezerat.
Doch niemand kennt zunächst die Tote, die keine Trümmerfrau war.
Woher kommt sie, was ist ihr Geheimnis?
Ehe sie wirklich weitekommen mit den Nachforschungen werden weitere Leichen gefunden, die Bevölkerung wird unruhig, die verhaßten Besatzer sowieso.
Stave kämpft an immer mehr Fronten und möchte doch nur am Liebsten seinen verschollenen Sohn wiederfinden...

Hier stelle ich einen sehr reizvollen Kriminalroman mit viel Lokalkolorit vor, der halt mal in der Zeit kurz nach dem Krieg spielt.
Offiziell entnazifiziert haben viele den verlustreichen Krieg noch nicht verschmerzt, bzw. noch Rechnungen offen. So wie zum Beispiel der jüdische Staatsanwalt Ehrlich, dessen arische Frau im Krieg Selbstmord beging, nachdem ihr Mann nach London emigriert war.
Unvorstellbar mit welch bescheidenen Mitteln die Polizeiarbeit damals von Statten ging und das nicht mal mit genügend Essen im Magen, ständig verfroren, da auch Kohle knapp gewesen ist.
Der Ermittler Stave hat den Verlust seiner Frau in der Bombennacht von 1943 noch nicht überwunden, sein Sohn wurde noch in den letzten Kriegswochen an der "Ostfront" - kurz vor Berlin verheizt, so dass er nicht weiß ob zumindest dieser Familienteil noch lebt.
So trägt er sein Päckchen mit stoischer Ruhe und der Autor versteht es sehr gut die Gedankengänge klar und nachvollziehbar zu beschreiben.
Die beschriebenen Morde geschahen übrigens tatsächlich in dem Hungerwinter 46/47.
Anders als in diesem Buch wurden sie damals allerdings nicht aufgeklärt.
Und besonders die Auflösung kommt noch mal mit einer netten Wendung daher, die gar nicht mal unlogisch ist. Das macht gerade Spaß, da man - auch als alter Krimihase - nach etwa der Hälfte des Buches einen Verdacht hat, der sich mehr und mehr zu bestätigen scheint um sich dann halbwegs plausibel aufzulösen.

Meiner Meinung nach ein schön kurzweiliges, authentisches Krimivergnügen!!!

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